SAMMLUNGAKTUELL

Ein Gespräch mit Miriam Jonas

 

Typische Frage zu Deinen Arbeiten? Eine Frage: Warum ich mit zum Beispiel mit Waschbecken arbeite … . Ich mag das Aufgreifen bekannter Gegenstände und ihrer Patina auf Sterilem- die Geschichte hinter der Oberfläche. Ich mag es, wenn Dinge ästhetisch perfekt und „schön“ sind, aber gedanklich hinter dieser Oberfläche das Gegenteilige passieren kann, schöner Schein ist oder es mit Dingen assoziiert wird, die nicht ins gewohnte Bild passen. Ein ganz anderes Wesen verbirgt sich hinter der Fassade. Auch meine Arbeitsweise ist so angelegt; vor der Ruhe kommt der Sturm. Der Weg zu meinen Skulpturen ist im wahrsten Sinne des Wortes vielschichtig und durchaus trotz vieler Erfahrung auf "trial and error" angelegt. Nicht alles ist durchgeplant. Aber am Ende scheint es selbst mir so gewesen zu sein. Ich reduziere nach und nach auf das Wesentliche.

Was gibt es zuerst Ort oder die Skulptur? Am liebsten arbeite ich, wenn ich eine Einladung für einen Ort bekomme, wenn ich weiß, wo es zu welcher Zeit gezeigt wird, was da gerade los ist … . Dann bin ich besessen davon, dann sehe ich alles durch die "Projektbrille". Das ist das Tolle an dieser Arbeitsweise: Man wird plötzlich zum Forscher eines Sujets, von dem man vorher nichts wusste.

Gefühle unmittelbar vor einer Ausstellungseröffnung? Es kommt immer auf die Situation an- beim letzten Mal war das Timing ziemlich knapp- so knapp, dass ich nicht einmal weiß, ob ich etwas gefühlt habe. Ach ja und aufgeregt!

Was machst Du am Liebsten, wenn Du nicht arbeitest? Es gibt den Zustand des absoluten „Nichtarbeitens" nicht. Ich habe kein Hobby und das finde ich selbst komisch, weil Alles, was man als Hobbys bezeichnen würde, hat auch mit der Arbeit zu tun. Reisen, Lesen, Minigolf (kleine Anspielung auf die kommende Ausstellung). Aber was ich manchmal gut kann und sehr gerne mache ist: Faulsein, dieses extreme Faulsein und gar nichts tun. Dieses Nichtstun hilft dann auch im Arbeitsprozess, denn plötzlich kommen die Ideen wie aus dem Nichts, man hat Spaß daran und dann wird daraus eine größere Idee.

Gibt es Orte an die Du gerne gehst- Museen oder Galerien? Neben Kunstmuseen und Galerien habe ich mindestens genauso viel oder sogar eher mehr Spaß an wissenschaftlichen Ausstellungen, wie im Naturkunde- oder Technikmuseum, wo man sieht, wo etwas herkommt, wie etwas funktioniert. Diese Ausstellungen geben viele ästhetische und geschichtliche Ideen. Allerdings weiß ich da manchmal nicht, ob ich lachen oder weinen soll, wenn ich z.B. feststelle, dass mich das falsche Steinpodest des Tyrannosaurus Rex viel mehr interessiert als das eigentliche Objekt selbst. Ich fotografiere es dann von allen Seiten und klopfe es ab- aber mich interessieren nun einmal auch diese Formalen Nebensächlichkeiten, die meine eigenen Ideenumsetzungen dann beeinflussen.

Objekt und Figurativ? Ich habe jahrelang Großkostüme auf hohem Niveau gebaut, so ähnlich wie in Disneyland z.B Micky Maus Kostüm. Es sieht aus wie eine Maus, ist aber eigentlich eine Skulptur mit viel Technik drin, die die perfekte Form haben muss, die halten muss und tragbar sein sollte. Das was unter der Hülle passiert, ist sehr kompliziert und es werden spannende Materialien verwendet. Ich habe Formen dargestellt und Charakter geschaffen, indem ich ihnen nach langer Schaffensphase am Ende zwei Augen aufgesetzt habe. Ich habe eine seltsame Zuneigung zu Objekten und Materialien entwickelt… ich baue Lebewesen.

Miriam Jonas: „Polka Popes (E02, O02, R01, E08)"

Miriam Jonas wurde 1981 geboren und hat an der Kunstakademie Münster bei Professorin Katharina Fritsch, Ayse Erkmen und den Professoren Maik und Dirk Löbbert studiert. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

Die Arbeit Polka Popes (E02, O02, R01, E08) in der Sammlung Jäckering ist eine Fortführung bzw. kleinere Edition der Polka Popes (75-teilig), welche die Künstlerin im Rahmen ihres Erasmus- Stipendiums in Barcelona 2011 begonnen hat.

Die Objekte sind kleine und feine Handarbeiten in einer Größe von circa 10,7 x 6,2 x 2,8 cm. Sie bestehen aus Plastilin, Kunstharzklebstoff, Fischkonservendosen, Acrylglas und Haken.

Die Künstlerin hat fiktive Portraits von Geistlichen in bunten Farben direkt in die Fischkonservendosen modelliert.

Aktuell ist die originäre 75-teilige Arbeit der Polka Popes in einer Ausstellung im Kunsthaus Apolda Avantgarde zu sehen.

Mary Heilmann: "The Lovers"

Mary Heilmann wurde 1940 in San Francisco geboren und lebt und arbeitet in New York. Sie studierte an der University of California, Santa Barbara und Berkeley.

Mary Heilmanns Arbeiten haben häufig eine Geschichte im Hintergrund, dessen Ursprung in der Phantasie, Musik und den Träumen der Künstlerin zu finden sind. Die Titel ihrer Werke sind poetisch und verweisen auf eine bestimmte Thematik. 

Obwohl die Gemälde meistens abstrakt sind, haben sie immer eine Verbindung zur Realität. Mary Heilmann weiß von den Sehnsüchten der Menschen und versteht es diese zu kitzeln. 

Evelina Cajacob: “Il paun da mintgadi |Das tägliche Brot“

Evelina Cajacob wurde 1961 in der Schweiz geboren. Sie besuchte  von 1988 bis 1993 die Escuela superior de Bellas Artes «Escola Massana» in Barcelona.

Heute lebt und arbeitet sie in der Schweiz.

Die Videoprojektion „Das tägliche Brot" wird mit Hilfe eines Beamers in eine Schale projiziert. Der Betrachter sieht, wie Hände einen Teig kneten- unermüdlich und geduldig. Die Arbeiten von Evelina Cajacob haben eine angenehme Leichtigkeit und trotzdem eine Tiefe und Komplexität. Durch die Wiederholung wird man als Betrachter immer wieder mit dem Thema der Zeit konfrontiert.

Stephan Schenk: „Skagerrak"

Stephan Schenk wurde 1962 in Stuttgart geboren und hat an der Bayrischen Lehranstalt für Photographie seine Ausbildung zum Fotografen absolviert. 1985 wurde er in den Verband bildender Künstler aufgenommen. Er lebt und arbeitet in Lüen, Graubünden.

Bei seiner Fotoserie Kreuzwege hat Stephan Schenk drei Jahre lang Kriegsschauplätze des ersten Weltkrieges besucht und diese auf seine ganz eigene Weise festgehalten. Die Arbeit Skagerrak, zeigt einen Ausschnitt der Nordsee zwischen Jütland, der Südwestküste Schwedens und der Südküste Norwegens. Dort fand 1916 eine der verlustreichsten Seeschlachten des ersten Weltkrieges statt. Außerdem besuchte Stephan Schenk Tannenberg, Tsingtao, Tanga, Gallipoli und neun weitere Schlachtfelder. Seine Aufnahmen zeigen nur ein kleines Stück des Schlachtfeldes – in der ungefähren Größe einer Grabstätte. Aber sie zeigen ein konkretes, präzises Detail der Wirklichkeit. Durch diese fragmentarische Darstellung wird dem Betrachter Raum für seine eigene Vorstellung und das Unvorstellbare gegeben.

Seine Aufnahmen werden zu großen Tapisserien verarbeitet.

 

Tom Chamberlain: "Untitled"

Tom Chamberlain wurde 1973 in Barton on Sea geboren. Er studierte an der Nottingham Trent University und an der Royal Academy. Seine Ausstellungen führten ihn nach London, Los Angeles, Bukarest und Berlin. Er lebt in London und Mexiko. 

Tom Chamberlain arbeitet akribisch. Seine Bilder bestehen aus unzähligen Schichten und Ansammlungen von Acrylfarbe und Linien. Will man sich seine Werke ansehen, sollte man sich etwas Zeit nehmen. Beim schnellen Blick auf eines seiner Gemälde, entgeht einem schnell die Tiefe und Komplexität. Seine Werke beinhalten eine schwer fassbare Sinnlichkeit und gleichzeitig eine visuelle Zurückhaltung.

Sushan Kinoshita: "Passant"

Sushan Kinoshita wurde 1960 in Tokio geboren.
Seit 2006 ist sie Professorin der Malerei Klasse der Kunstakademie Münster und sie nahm an den Skulptur Projekten Münster 07 teil.

In ihren Arbeiten setzt sich Sushan Kinoshita häufig mit der Beschaffenheit des Klangs auseinander. So auch in der Arbeit „Passant“.
Alle 30 Minuten fährt mit ohrenbetäubender Lautstärke und Energie die New Yorker U-Bahn Expresslinie akkustisch am Besucher vorbei. In diesem Moment sind alle anderen sinnlichen Wahrnehmungen wie ausgelöscht, so überwältigend ist das Geräusch der Soundinstallation. Darauf folgt die Stille, die nun auch zu einer neuen Erfahrung wird für den Betrachter bzw. Zuhörer. 

Lena von Goedeke: "Things are over"

Lena von Goedeke wurde 1983 in Duisburg geboren. Sie studierte bildende Kunst in Münster, Norwegen und Düsseldorf.

In ihren Arbeiten kombiniert sie Scherenschnitte mit Malerei und Zeichnung.

"Things are over" ist ein Scherenschnitt, der in seiner Perfektion und Stofflichkeit fasziniert. Lena von Goedekes Bildvokabular wird aus einer Sammlung verschiedenster Bilder gespeist. Ihre Arbeit ist akribisch ausgeführt und trotz der kunsthandwerklichen Technik zeitgenössisch.

Vor einem Bild stehend, wird man als Betrachter geradezu magisch angezogen, um die filigrane Arbeit zu bewundern und ergründen.

© VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Katharina Jahnke: „Zvoncaris, 32º Fahrenheit"

Katharina Jahnke wurde 1968 in Berlin geboren. Sie studierte in Offenbach, Düsseldorf und lebt in Köln. Seit 2012 hat sie einen Lehrauftrag an der  Folkwang Universität der Künste in Paderborn.

Katharinas Jahnkes Arbeiten  „Zvoncaris, 32º Fahrenheit" sind Bilder der 22-teiligen Serie "Frozen States". Bei dieser Serie arbeitet die Künstlerin sowohl mit realen Orten, als auch mit Modellen. Durch die Art der Fotografie sind reale Größen und Kontexte nicht mehr erkennbar und es entsteht eine fiktive Realität und subjektive Bilderwelt. So vertreibt Zvoncaris zum Beispiel den Winter und bei 32º Fahrenheit beginnt die Schneeschmelze.

Die Fotoserie Frozen States ist 2010 als Künstlerbuch erschienen.

Norbert Kricke: "Ohne Titel"

Norbert Kricke wurde 1922 in Düsseldorf geboren. Er studierte an der Akademie der Künste in Berlin bei Richard Scheibe.

Von 1947 an lebte er als freischaffender Bildhauer in Düsseldorf. Schon in seinen frühen Arbeiten zeigt sich, dass er sich für raumentwickelnde, gestaffelte Linien interessiert. Seine Raumplastiken bestehen aus Metallstäben, welche aneinandergeschweißt sind und sich dynamisch in den Raum erstrecken – in gebündelter, gerader oder verknoteter Form. Seine Plastiken haben kaum Volumen und Masse und schaffen es dennoch den Raum zu durchschneiden. Dadurch kreieren sie beim Betrachter eine mögliche Bewegung und Raumvorstellung.

Sein Oeuvre wurde in vielen Austtellungen gezeigt unter anderem im Museum of Modern Art in New York, der Biennale Venedig, Documenta in Kassel. 1964 wurde Norbert Kricke zu einer Professur an die Kunsthochschule Düsseldorf berufen, welche dann zum Direktorat führte.

Die Arbeit "Ohne Titel" wurde mit Chinatusche angefertigt. Seine Zeichnungen waren für ihn keine Vorstudien für die Plastiken, aber wichtig für ihn zur Klärung der Formvorstellungen.

On Kawara: "One Million Years (Future)"

On Kawara ( *1933- 2014) war ein japanischer Künstler, der sich konzeptuell mit dem Thema der Zeit und Zeitlichkeit auseinandersetzte.

Die Arbeit "One Million Years (Future)" umfasst 10 Bände. In jedem Band befinden sich Zahlenreihen, die in 10 horizontale Spalten aufgeteilt sind. Diese Spalten sind wiederum aus fünf 10-zeiligen Blöcken zusammengesetzt. Die Bände enthalten lose geheftete Blätter. In diesen Bänden notierte On Kawara mit einer Schreibmaschine Zahlenlisten, die der zeitlichen Systematik des christlichen-abendländischen Kalenders folgen.
Bei One Million years (Future) zählt on Kawara von 1999 an eine Million Jahre in die Zukunft bis zum Jahr 1.001.998. Die Arbeit zeigt seinen konzeptuellen Umgang der Zeit-Raum-Relation.

Die Arbeit aus der Sammlung Jäckering besteht aus 5 CD's. Innerhalb einer Performance im Jahre 2000 wurden die Zahlenreihen vorgelesen.

Martina Muck: „anstatt"

Martina Muck, Meisterschülerin von Mechthild Frisch wurde 1962 in Hattingen geboren und lebt seit 1987 in Münster.


Die Künstlerin arbeitet mit verschiedenen Medien: Installation, Fotografie, Skulptur und Zeichnung. Seit 1987 beschäftigt sie sich mit dem Thema Licht. Die Idee zu ihrer Fotoarbeit „anstatt“ entwickelte sie während der Arbeit an einer Fotoserie, bei der sie Wohnzimmerlampen bei Dämmerung an verschiedenen Orten fotografierte. Einige dieser Fotografien entstanden auch im Münsteraner Hafen. Beim Blick auf das, im Hafen gelegene, Atelierhaus Speicher II bei Nacht fiel ihr das Neonlicht, eine typische Arbeitsbeleuchtung, immer wieder ins Auge. Martina Muck entwickelte die Idee, die Fensterfront des Hauses atmosphärisch, durch eine sehr private Beleuchtung, zu verwandeln. Sie fragte die Mieter der Räume mit Kanalblick, ob sie an ihrem Projekt teilnehmen würden und zu einer bestimmten Zeit eine Leuchte ihrer Wahl ins geöffnete Fenster stellen könnten. Für die Künstlerin war es spannend zu sehen, wer sich wie an ihrem Projekt beteiligt und welches Bild des Hauses zum Fototermin tatsächlich zu sehen ist. Aus einem der Flurfenster des Atelierhauses scheint, stellvertretend für die Künstlerin, die Wohnzimmerlampe aus ihrem Fotoprojekt „Gegenüber“. Die optische Verwandlung des Hauses an diesem Abend ist auf einer großformatigen Fotografie erhalten.

 

© Fotoaufnahme: Martina Muck

Caroline von Grone: „Porträt G. Andreae + M. Andreae-Jäckering"

Caroline von Grone ist Meisterschülerin von Professor Klaus Rinke und Jan Dibbets.

Bei ihren Porträts erarbeitet die Künstlerin die Pose und das Setting zusammen mit den Porträtierten auf intensive Art und Weise, so dass sich später alle mit dem Gemälde identifizieren können. 

Gabriele und Michael Andreae wurden von der Künstlerin an dem Ort gemalt, an dem das Bild heute präsentiert wird bzw. hängt. So fließen in das Porträt gleichzeitig der Raum und die Umgebung mit ein. Das Bild wirkt auf den Betrachter ganz besonders- die Porträtierten weisen eine ganz besondere Präsenz auf– fast hat man das Gefühl die Abgebildeten sind anwesend.

François Perrodin: „72.20“, 2012

François Perrodin arbeitet und lebt in Paris.
Die Titel seiner Wandobjekte basieren auf klaren Definitionen von Zahlenverhältnissen, Proportionen und der Beschaffenheit der Oberfläche.

Obwohl es sich um dunkle, opake Farbtöne handelt, die François Perrodin verwendet, reagieren die Objekte sensibel auf die Lichtverhältnisse des jeweiligen Raumes. Aus der Zentralperspektive besehen, sind seine Arbeiten rechtwinklig und aus polygonalen Formen bestehend. Beim näheren Blick auf die Arbeiten lässt sich kaum ein Pinselduktus erkennen. Durch diese matte, ebenmäßige Oberfläche erscheinen die Objekte an sich massiv und schwer. Zugleich treten Perrodins Werke vor der hellen Wand so sehr hervor, dass sie sich als gravitationslos gebärden. Bewegt man sich durch den Raum, scheinen sich auch die Formen der Objekte zu verändern. Die Konturen der Formen verwandeln sich durch die Bewegung des Betrachters.

© Fotoaufnahmen: Eric Jobs

Antje Dorn: #6 aus der Serie „Bauten“

Antje Dorn wurde 1964 in Aachen geboren. Heute lebt und arbeitet sie in Berlin.

In der Serie „Bauten“ zeigt die Künstlerin auf einmalige Weise, wie sich abstrakte Malerei mit gegenständlicher Malerei verbinden lässt. Die monochromen Hintergründe erzeugen in der Verbindung mit den Architekturutopien der Künstlerin auf wundersame Art einen Raum der Leichtigkeit. Antje Dorn vermag es den Betrachter mit ihren „Bauten“ in ein völlig neues Universum zu rücken, in der sich alles voneinander loslöst und die Fantasien über die Realität erhaben sind– ein Ort der Schwerelosigkeit. Die gültigen Gesetze der Logik verlieren an Bedeutung und der Betrachter hat die Möglichkeit sich in neuen und fremden Landschaften zu verlieren. Antje Dorn nimmt uns mit auf eine Reise in das scheinbar Unmögliche.

© Fotoaufnahmen: Eric Jobs
© VG Bild-Kunst, Bonn 2015


Katharina Hinsberg: o.T. (Linien/Gitter)

Katharina Hinsberg wurde 1967 in Karlsruhe geboren. Sie arbeitet neben ihrer künstlerischen Tätigkeit als Professorin an der Hochschule der Künste Saar und ist künstlerische Leitung der „Hombroich: Summer Fellows".
Sie erhielt erst kürzlich den Künstlerinnenpreis NRW. Dieser wird gefördert vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen.

Bei der Arbeit o.T. (Linien/Gitter) sieht der Betrachter Farbstift-Linien auf ausgeschnittenem Papier– gerahmten Gittern.

Die Fragilität des Papiers wird sichtbar. Das Suchen, Berühren, Tasten des Stiftes auf dem Untergrund fasziniert und Betrachtungsfelder eröffnen sich. Es entsteht mehr und mehr eine Fäche- keine bloßen Linien.

Auf dem WDR 3 gab es einen Beitrag von Claudine Engeser. Unter dem folgenden Link kann man Katharina Hinsberg's Beitrag „Feldern (Farben) in der Sammlung NRW" anhören: http://www.wdr3.de/kunst/katharinahinsberg100.html

© VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Mike Karstens erinnert sich an Polke

Karstens wurde 1957 in Schleswig-Holstein geboren. Seit langem arbeitet er eng mit vielen Künstlern, wie Richter und Kabakov zusammen. Durch seine beachtlichen Fähigkeiten im Bereich der traditionellen Druckverfahren, aber auch durch seine Experimentierfreude und Neugier für unkonventionelle Verfahren ist Karstens eine beliebte Anlaufstelle für Künstler.

Bei einem Gespräch mit Michael und Gabriele Andreae erzählte er von den Abenteuern, die sich rund um die Arbeit „Dannekers Hausgecko" von Sigmar Polke eröffneten.

Das Papier "Embossed Blizzard Skin Paper" entdeckte Mike Karstens zufällig. Auf der Art Basel fiel ihm in einem Biergarten ein Flyer in die Hände. Ihm war sofort klar, dass Sigmar Polke Gefallen an dem Papier finden würde. Das Papier kam aus Frankreich und war sehr teuer, so dass Mike Karstens und Sigmar Polke direkt große Mengen aufkauften, damit sie der Gefahr entgingen, dass es schon bald nicht mehr erhältlich sei.


Dann sagte Sigmar Polke zu Mike Karstens: „So jetzt mache mal Folgendes. Das, was wir da haben ist eigentlich ein feines kleines Mikrogebirge mit kleinen Hügeln und Tälern. Wir bleiben mit dem Druck nur auf den Spitzen der Berge, wir küssen das Papier praktisch nur ganz leicht. Ich möchte das mein Rasterpunkt, den ich dir jetzt anlege, sich durch das Material neu aufrastert, zufallsmäßig natürlich. (...) weil das Bild an der Stelle, wenn es vom Druck her oben drauf bleibt, wie neu aufgerastert aussieht."
Entgegen der Wette des Papierlieferanten hatten Mike Karstens und Sigmar Polke Erfolg mit Ihrem Druck. Mike Karstens: „Es war eine irrsinnige Arbeit, da jeder Bogen von Hand in die Flachdruck-Andruckpresse angelegt wurde und jedesmal musste das Gummituch gesäubert werden. Es war ein Wahnsinn, aber es ging."

„Danneckers Hausgecko" besteht aus vier Motiven: „Die Frau, Die Mutter mit Kind, Der Tanz und Die zwei Frauen." Der Titel entwickelte sich als eine Art "Huldigung Dannekers". Denn alle vier Zeichnungen sind von ihm. Der Hausgecko entstand durch das echsenhautimitierende Papier.

 

 

Der Künstler Sigmar Polke war und ist ein bedeutender Vertreter der Gegenwartskunst.

Virtuos und humorvoll arbeitete er bis zu seinem Tod mit den unterschiedlichsten Medien, wie Malerei, Fotokunst und Grafik. Eine meiner Lieblingsarbeiten „...höhere Wesen befehlen" ist eine Mappe mit 14 Drucken, die allesamt einen Untertitel tragen. Um diese Arbeit noch zu vervollständigen gibt es ein präzises Inhaltsverzeichnis, dort wird jedes Motiv kurz erklärt und über dessen Entstehung berichtet. In dieser schönen Grafikserie hinterfragt Sigmar Polke die Traditionen des künstlerischen Schaffens auf angenehmste Weise.

Diese Siebdruck-Serie entstand kurz vor dem Tod des Künstlers 2010. Diese Originalgraphiksuite „Dannecker`s Hausgecko" von 2009 umfasst 4 Blätter. Die Titel der Blätter sind: „Die Mutter  mit Kind", „Die zwei Frauen", „Der Tanz" und „Die Frau". Für Lithographie und Serigraphie wurde beflocktes Papier mit Eidechsenhautprägung genutzt.

©  The Estate of Sigmar Polke, Cologne/VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Stephan Andreae: „LICHT?"

Stephan Andreaes Arbeit LICHT? befindet sich in der Nähe des Hafens von Hamm. Viele Male, in denen ich mit meinem Auto vorbeifuhr, hat diese Arbeit mich schon erfreut. Denn Licht ist für mich von besonderer Bedeutung- als jemand, der sich in seiner Arbeit häufig der Fotografie bedient.

Der Künstler erzählte mir die außergewöhnliche Geschichte der Entstehung dieser Arbeit:

Er war im Dezember 1999 mit einem befreundeten venezolanischen Philosophen unterwegs. Nach einem Tunnel bemerkte Juan Luis Delmont ein Zeichen „Licht?“ Das faszinierte den südamerikkanischen Freund so sehr, dass eine poetische und elektrisierende Diskussion zwischen ihm und dem Künstler entbrannte. „Ein Hinweis höherer Mächte? Ein Code? Eine Nachricht von der Sonne?“

Als Stephan Andreae den Auftrag bekam den Lagertank zu gestalten, wollte er diesem Erlebnis ein Denkmal setzen, so sagt er. Für ihn ist es eine verbale Monochromie oder auch ein 1-Wort-Gedicht. Das Wort-Zeichen ist groß und gleichzeitig subtil, solche Schwingungen liebt er.

 

© VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Sigmar Polke: “Dannecker's Hausgecko, 2009"

Der Künstler Sigmar Polke war und ist ein bedeutender Vertreter der Gegenwartskunst.

Virtuos und humorvoll arbeitete er bis zu seinem Tod mit den unterschiedlichsten Medien, wie Malerei, Fotokunst und Grafik. Eine meiner Lieblingsarbeiten „...höhere Wesen befehlen" ist eine Mappe mit 14 Drucken, die allesamt einen Untertitel tragen. Um diese Arbeit noch zu vervollständigen gibt es ein präzises Inhaltsverzeichnis, dort wird jedes Motiv kurz erklärt und über dessen Entstehung berichtet. In dieser schönen Grafikserie hinterfragt Sigmar Polke die Traditionen des künstlerischen Schaffens auf angenehmste Weise.

Diese Siebdruck-Serie entstand kurz vor dem Tod des Künstlers 2010. Diese Originalgraphiksuite „Dannecker`s Hausgecko" von 2009 umfasst 4 Blätter. Die Titel der Blätter sind: „Die Mutter  mit Kind", „Die zwei Frauen", „Der Tanz" und „Die Frau". Für Lithographie und Serigraphie wurde beflocktes Papier mit Eidechsenhautprägung genutzt.

©  The Estate of Sigmar Polke, Cologne/VG Bild-Kunst, Bonn 2014

Evelina Cajacob: „Wandzeichnung 45, 2008"

Die Schweizer Künstlerin Evelina Cajacob hat eine neue In Situ Arbeit geschaffen. 

Die zarte Wandzeichnung Nummer 45 aus der Serie 1- 52 hat die Künstlerin mit permanent Farbstiften auf die Wand gebracht, doch nicht bevor behutsam und präzise der passende Platz und Farbe ausgewählt war.

Bei der Betrachtung der 66 cm x 55 cm großen Zeichnung fühlt man sich an ein Möbiusband erinnert. Zunächst scheint es, sie habe weder einen Anfang noch ein Ende. Genauer angesehen stellt man aber fest, dass zwei ineinandergeschlungene Bänder die Wand zieren.

Lee Ufan: “Correspondance, 1995"

Lee Ufan wird 1936 in Süd-Korea geboren. Zunächst beginnt er ein Philosophiestudium, um sich dann später der japanischen traditionellen Malerei "Nihon-ga" zuzuwenden.

Seit den 90er Jahren beschäftigt ihn das Verhältnis von leeren Flächen und Malerei.

Lee Ufan verwendet bei dieser 97 cm x 130 cm großen Arbeit Ölfarbe und Steinpigment auf großen weißen Leinwänden.
Die Pinselstriche sind achtsam und konzentriert gesetzt und zeigen die Möglichkeiten der Malerei auf.

Evelina Cajacob: „Landschaft 6"

Evelina Cajacob wurde 1961 in der Schweiz geboren. Von 1988 bis 1993 besuchte sie die Escuela superior de Bellas Artes «Escola Massana» in Barcelona.
In ihrer 80 cm x 101 cm großen Zeichnung „Landschaft 6" verarbeitet sie Impressionen, die sie auf verschiedenen Wanderungen sammelte. Ihre Zeichnungen bestehen aus einer Fülle von feinen Strichen, die den Betrachter bezaubern in ihrer Präsenz. Bewegungen lassen sich erahnen in diesem Landschaftsausschnitt. Fast glaubt man auch Geräusche wahrnehmen zu können, so virtuos wird das Zeicheninstrument von Evelina Cajacob eingesetzt.

Faivovich & Goldberg: "Chaco - Begleittext"

Faivovich & Goldbergs Arbeit “Chaco" wurde als Ersatzkunstwerk für den nicht realisierten Meteoriten der dOCUMENTA 13 vor dem Fridericianum in Kassel vorgeschlagen. Die Buchstaben wurden auf dem Firmengelände in Hamm installiert und nun hat das Künstlerduo einen Begleittext zu der Arbeit geschrieben.

Der Text beginnt so:

"Dear Carolyn, greetings from Buenos Aires, as follows, a practical description of what we've been working on:

Chaco in Friedrichplatz

We believe taking the spirit of Chaco to Kassel is still possible, with a transformative and evolving force, even if it might not be 37-tons of extraterrestrial iron. We envision an artwork composed by five independent letters, laying over Friederichplatz's grass forming the word CHACO. Just like a label on a map. (...)"

Caroline von Grone: "Muro"

1963 wurde Caroline von Grone in Hannover geboren. Von 1984 bis 1992 studierte sie an der GHK Kassel, an der HBK Braunschweig und der Kunstakademie Düsseldorf.

Seither nimmt sie regelmäßig an Gruppen-, sowie Einzelausstellungen teil. Die Serie Muro I besteht aus Arbeiten, die einen Pinienwald in Muro (Mallorca) zeigen.

Die Künstlerin arbeitet unmittelbar am Ort des Geschehens. Sie verfolgt, dokumentiert und beobachtet die Szenerien, die sie in den Bann ziehen, meist über einen langen Zeitraum. Ihre Gemälde zeichnen Tiefe aus und behalten trotzdem etwas Flüchtiges und Momenthaftes.

 

Ai Weiwei: "1001 Holzstühle"

Ai Weiwei ist 1957 in Peking geboren und ein chinesischer Konzeptkünstler.

Durch seine politischen Arbeiten geriet Ai Weiwei in der Vergangenheit in seinem Heimatland in Schwierigkeiten. Ihm geht es in seinen Werken vor allem um ein friedliches und würdiges Zusammenleben. Er möchte, dass die Menschen in seinem Land nicht Opfer von Ausbeutung werden – außerdem mit den Ressourcen haushalten und die Umwelt schützen. 

1001 Stühle stammen aus seinem Fairytale Projekt, welches er für die Dokumenta in Kassel 2007 entwickelte. Die Stühle stammen aus der Ming und Qing Dynastie. Sie waren für jeden der 1001 eingereisten Chinesen, die Ai Weiwei zur Dokumenta nach Kassel eingeladen hatte. Eine Geste der Verlagerung, die den Wandel der verändernden chinesischen Identität repäsentieren.

Nathalie Dampmann: Sammlung Andreae-Jäckering

Das Künstlerbuch der außergewöhnlichen Sammlung Andreae-Jäckering wuchs über einen langen Zeitraum. Viele Male reiste Nathalie Dampmann an, um die Kunstwerke in ihrem realen Raum und Umfeld zu fotografieren. 

Das Buch enthält einige Arbeiten der Sammlung, arbeitet aber nicht katalogisierend oder apodiktisch. Sondern vermittelt nur Fragmentarisches, lässt vieles offen und zeigt, dass hier mit Kunst gelebt wird. Es entsteht ein flackerndes, verschwommenes und zartes Stimmungsbild einer Sammlung, die stetig wächst.

Peter Wegner: "Mineral Logic XIII"

Peter Wegners Arbeit "Mineral Logic" besteht aus Muscovit. Das aus der Glimmergruppe stammende Mineral wird eigentlich in der Elektrotechnik und Geräten als elektrischer Isolator verwendet. Der Name leitet sich aus dem Russischen ab, da es dort im 19. Jahrhundert als Fenster Verwendung fand. Darum ist es auch als Moskauer Glas bekannt.

Die Struktur der Arbeit besteht aus dünnen Schichten des spaltbaren Minerals, die miteinander verwebt scheinen. Je nach Tageszeit und Lichteinfluss wirkt "Mineral Logic" völlig neu. Der Betrachter hat die Möglichkeit die Arbeit immer neu zu entdecken, mal völlig fragil und lichtdurchlässig und manchmal eher als eine Art gläsender Spiegel.

Eilike Schlenkhoff: "Wake ups; 01.01.2009 - 31.01.2009"

Eilike Schlenkhoff ist Meisterschülerin von Professor Cornelius Völker. Sie lebt und arbeitet als Künstlerin in Wuppertal.

Ihr Werk ist vielfältig und umfasst Malerei, Installationen, Fotografie und Zeichnungen.

Die Arbeit “Wake Ups" besteht aus 365 C-Prints, welche in Kalenderform präsentiert sind.

Seit 2009 portraitiert sich die Eilike Schlenkhoff jeden Morgen unmittelbar beim Erwachen mit einer Kleinbildkamera.

Karoline Bröckel: „o.T. (unterwegs 24.06.10)"

Karoline Bröckel wurde 1964 in Tübingen geboren. Sie lebt und arbeitet als Künstlerin in der Nähe von München.

In ihren Arbeiten macht Karoline Bröckel Bewegungen sichtbar. Sie ist interessiert an dem nicht vorhersehbaren einer Bewegung. Ihre zarten und doch starken Linien zeigen mal den Flug einer Schwalbe, mal das Vorbeiziehen einer Landschaft aus dem Zug oder aber auch den Tanz einer Schneeflocke.

Diese Werkgruppe aus neun Zeichnungen entstand bei einer Zugfahrt.

Faivovich & Goldberg: "Chaco"

Das Künstlerduo Faivovich & Goldberg lebt und arbeitet in Buenos Aires.

Guillermo Faivovich (Buenos Aires, 1977) und Nicolás Goldberg (Paris, 1978) sind seit 2007 mit der Analyse und Recherche ihrer Arbeit "A Guide to Campo del Cielo" beschäftigt.

In diesem Guide untersuchen Faivovich & Goldberg künstlerisch die politischen, historischen und kulturellen Auswirkungen der Meteoriten in der Umgebung von Chaco.

Die Arbeit „Chaco" wurde als Ersatzkunstwerk für den nicht realisierten Meteoriten der dOCUMENTA 13 vor dem Fridericianum in Kassel vorgeschlagen. Nun sind die Buchstaben auf dem Firmengelände in Hamm installiert worden.

Anna Leonie: "Wall Scans"

Bei ihren Wall Scans erzeugt Anna Leonie mit Farbstiften sensible Lineaturfelder auf den Wänden der Räume. In Hamm arbeitete Anna Leonie mit einem roten Ton- Krapplack 9210. Nach ungefähr fünf Tagen hat die Künstlerin ihre In-Situ Arbeit vollendet.

Es entstand eine ganz besondere Arbeit, die durch das Umgebungslicht und den Wechsel der Lichtintensität des Raumes unterschiedliche Wahrnehmungsbilder erzeugt. Die Arbeit ist ein besonderes Erlebnis, denn sie erscheint dem Betrachter immer wieder neu.

© VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Nathalie Dampmann: „Kaspers Amerika"

Nathalie Dampmanns Arbeit „Kaspers Amerika", mit den Maßen 26,5 cm x 39 cm, entstand während ihrer Arbeit im Museum Ludwig, Köln. 

Nathalie Dampmann arbeitet hauptsächlich im Kunstraum, wie öffentlichen Museen, Galerien, Kunstmessen, Ateliers, etc. Ihr Interesse gilt dem zeitgenössischen Kunstsystem an sich, all seinen Ausformungen und Eigenschaften, als auch ihre eigene Rolle, der Standpunkt des Künstlers, in diesem komplexen und vielseitigem Apparat.  

© VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Susanne von Bülow & Ruppe Koselleck: „52 Tüten für ein Jahr"

Ruppe Koselleck und seine Frau Susanne von Bülow druckten auf hochwertigem Büttenpapier einen monotypischen nicht wiederholbaren Mehrfarbendruck. Dazu verwendeten sie originale Plastiktüten aus ihrem Vierpersonenhaushalt. Die Formate dieser Arbeiten sind variationsreich, begründet durch die unterschiedlichen Tütengrößen. Jede Arbeit wird zu einem Preis von 92,48 Euro verkauft. Dieser Betrag ist der statistsiche Mittelwert des Einkaufswertes einer vierköpfigen Familie innerhalb von einer Woche.

© VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Lisa Terhürne: „Brotclips"

Lisa Terhürnes Arbeit besteht aus mehr als 500 Brotclips.

Die Künstlerin, die an der Kunstakademie Münster studiert, hat diese Brotclips bei ihrem verstorbenen Großvater gefunden. Dem Datum nach hat sie die bunten Clips geordnet und eine Arbeit daraus gemacht.

Dana Hilger: „Mit Stäbchen essen"

Dana Hilger wurde 1981 in Münster geboren. Von 2003 bis 2004 studierte sie an der Kunstakademie Düsseldorf. Sie  führte ihr Studium in der Klasse bei Lili Fischer an der Kunstakademie Münster fort, wo sie 2011 ihr Diplom erhielt.

„Mit Stäbchen essen" ist eine Zeichnung aus Bleistift auf einer Grundierung von Acryl. Das Trägermaterial besteht aus Holz. Dana Hilger zeigt innere Bilder, die sie versucht auf diese Art festzuhalten.

Jae Pas: Ordnungsland

Jan Enste und André Stücher haben an der Kunstakademie Münster studiert. Sie arbeiten seit 2006 zusammen, wo sie innerhalb einer studentischen Protestwoche gegen die Studiengebühren eine "giant pool ball" von Claes Oldenburg versenkten.

Jan Enste ist Meisterschüler bei Daniele Buetti und André Stücher bei Suchan Kinoshita.

Die Arbeit Ordnungsland ist ein gepresstes Automobil. Es hat die Abmaße 380 x 200 x 35 cm.

Das Ordnungsland Auto diente den Künstlern von 2007 bis 2010 als Dienstwagen im administrativen Look. Nach einem Unfall verwandelte Jae Pas das Autowrack in ein Wandbild.

© VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Anna Leonie: Serie pianterreno

Anna Leonie wurde 1962 in Augsburg geboren. Sie studierte Grafik, Fotografie und Malerei in Würzburg, Chicago und München. Im Laufe ihrer Karierre erhielt sie einige Stipendien und Auszeichnungen, unter anderem den Debütantenpreis der Akademie der bildenden Künste München.

Die Serie pianterreno besteht aus drei Sandpapierzeichnungen in unterschiedlichen Größen von 23,8 cm bis 38 cm. Bei dieser Arbeit malte die Künstlerin mit Ölkreide auf Sandpapier.

Beim Betrachten der Werke Anna Leonies stellen sich Fragen nach Licht und Raum. Ihre monochrome Malerei schafft einen eigenen Raum. Abstraktion und Materialien führen dazu, dass es regelrecht zu einer transzendenten Erfahrung wird diese Arbeiten zu betrachten.

© VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Stephan Andreae: „es ist leichter für den Boden den Gedanken zu berühren"

Stephan Andreae wurde 1952 in Köln geboren und arbeitet als freier Künstler und Leiter des Forums der Bundeskunsthalle Bonn. 

Seine Arbeit „es ist leichter für den Boden den Gedanken zu berühren" ist ein Aquarell auf Strohpappe. Sie ist Teil einer umfangreichen Serie von Landschaftsaquarellen, die er bis heute fortführt. Diese Arbeiten sind von Wettersituationen, genauso wie von vorbeiziehenden Landschaften, Bäumen, Häusern geprägt. Stephan Andreae interessieren die „vergehende Zeit und der Raum". Es sind Stimmungsbilder, die mal düster, mal fröhlich oder  ein Dazwischen zeigen.

Inspiration für den Titel der Arbeit fand Stephan Andreae in Herbert Achternbuschs Buch "Es ist ein Leichtes für den Gehenden, den Boden zu berühren".

© VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Francois Morellet: Jazz line, 2007

Francois Morellet wurde 1926 in Cholet, Frankreich geboren. Zunächst arbeite er in der Firma seines Vaters. Später begann er sich mit Malerei autodidaktisch zu beschäftigen.

Zur Zeit seiner ersten Einzelausstellung im Jahr 1950 bezeichnete sich Morellet als abstrakten Maler. Seine Arbeiten beschäftigen sich mit dem Bild auf eine uneingeschränkte Weise. Das Bildfeld wird nicht nur auf das Bild selbst begrenzt, sondern wächst darüber hinaus. Morellet arbeitet auf Basis von Prinzipien und Systemen. Ihn interessiert die Methode für die Herstellung eines Kunstwerkes. 

Wenn man will, finden sich Humor und Provokation in seinen geometrisch abstrakten Werken. Und wenn man erstmal ein System in seiner Arbeit erkannt hat, fällt es schwer aufzuhören nach der Enträtselung zu suchen.

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Peter Wegner: Double Red Vertical, 2006

Peter Wegner wuchs in South Dakota auf und graduierte an der Yale University. Heute lebt er in Kalifornien. 
In seinem Oevre findet man Fotografie, Installationen, Malerei, Collagen, Künstlerbücher und Poesie.

Wegners Arbeiten haben eine klare und formale Sprache. Double Vertical Red besteht aus zwei 243,84 cm großen Stelen, welche einen Abstand von 25,4 cm voneinander haben. Sie wurden aus MDF gefertigt und mit glänzendem Haushaltslack bearbeitet. Seine monochromen Werke überaschen den Betrachter mit großer Leuchtkraft und Intensität, die man von dem verwendenten Material nicht erwartet.


Doubel Vertical Red wirkt lange nach und stellt dem Betrachter, wenn er mag, vor poetisch-philosophische Fragen.

Nathalie Dampmann: Frida Kahlo I

In den Serie Frida Kahlo von Nathalie Dampmann sieht man die Künstlerin selbst. Sie inszeniert ihren Körper und ist nicht mehr reduzierbar auf eine Person. 

Frida Kahlo I entstand in enger Anlehnung an Frida Kahlos Gemälde: „The wounded deer", wo sich die Malerin selbst als Hirsch darstellt, welcher verwundet in einem Wald umherspringt und das Meer am Horizont unter Blitz und Donner erzittert.

In dieser Serie gibt es  vier weitere Bilder in Anlehnung an die Arbeiten der Malerin, die ihr Leben mit dem mexikanischen Maler Diego Riveras verbrachte. Frida Kahlo litt unter schweren körperlichen Gebrechen und kämpfte zeitlebens dagegen an. 

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Richard Serra: T Corner Prop, St. Peter's Cross 1:4:5

Richard Serra  wurde am 2. November 1939 in San Francisco geboren und studierte Kunst an der Universität in Yale von 1961 bis 1964. 

Er zählt zu den berühmten Bildhauern unserer Zeit. Wichtige Fertigkeiten des Umgangs mit Stahl, erlernte Richard Serra, während der Arbeit in einem Stahlwerk, mit dem er sein erstes Studium in englischer Literatur finanzierte.

Der Galerist Alexander von Berswordt hat viel dazu beigetragen, dass Richard Serra schon so früh entdeckt und unterstützt wurde.

Seine Arbeit T Corner Prop, St. Peter's Cross 1:4:5 besteht aus Corten Stahl, der meist in Siegen oder Saarbrücken produziert wird.  Bei der Herstellung einer Skulptur geht Richard Serra so vor, dass er zunächst Modelle baut. Dabei ist ihm das Verhältnis zwischen Betrachter und Skulptur ausgesprochen wichtig.  Damit die Skulpturen nicht umkippen, benötigt es dann Technik. Mathematiker und Statiker berechnen alles weitere akribisch.

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David Rabinowitch: Plane of 6 Masses with Elliptical Hole

David Rabinowitch wurde am 6. März 1943 in Toronto, Kanada geboren. 1968 hatte er seine erste Einzelausstellung, unterrichtet dann in Yale und an der Kunstakademie Düsseldorf. 

Wie er sagt, arbeitet er häufig direkt am Boden, damit die Schwerkraft das Material beeinflussen kann. Ihn interessieren in seinen skulpturalen Arbeiten vor allem die Verhältnisse von Volumen und Maß. 

Seine Arbeit Plane of 6 Masses with Elliptical Hole ist aus  dem Jahre 1972 und aus 116 mm starkem Stahl gefertigt. Sie ist 112 x 91 x 16 cm groß.

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Ruppe Koselleck: Zuckerbrüste

Ruppe Kosellecks Zuckerbrüste bestehen aus Kaffeekristallkaramell. Diese Masse entsteht, wenn man auf eine Tasse Zucker einen Esslöffel Kaffee hinzugibt. Durch den Trocknungsprozess entsteht diese zarte und zugleich süße Masse.  Die Brüste wurden auf einen Holzkorpus, dem Torso aufgebracht. Und wer genau hinschaut und Liebe zum Detail entwickelt, erkennt, dass die Brustwarzen aus Golf Tees bestehen.

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Julia Lohmann: Lasting Void

Julia Lohmanns „Lasting Void" ist ein Objekt aus Fiberglas. 

Die Schnittstelle kann man zwischen Natur und Design suchen. Sobald man den Ursprung dieser Gussform kennt, beginnt man nachzudenken über das Verhältnis zwischen Tier und Mensch, Natur und Industrie. 

Für Lasting Void goss Julia Lohmann Kalbsskelette aus. Wenn ein Tier geschlachtet wird und die Organe entnommen wurden, bleibt eine Leere. Diese Leerstellen sind die Lasting Voids.

Nicolas Kerksiek: Firmenhochsitz

Nicolas Kerksiek wurde 1977 in Scherzingen, der Schweiz, geboren. 2001 bis 2007 studierte er Bildhauerei bei Tony Cragg  an der Universität der Künste in Berlin.

Die Arbeit Firmenhochsitz entstand anlässlich des 100 jährigen Firmenjubiläums der Firma Jäckering.  Für die Konstruktion wurde Eichenholz mit einem Vierkantprofil verwendet. 

Nicolas Kerksiek und Pinar Mayaoglu zeigten hier die Performance „Unvermeidliche Romantik Perspektive Hochsitz".

Vom Hochsitz aus, hat man die Möglichkeit aus einer Höhe von 4,5 Metern das Firmengelände Jäckering samt Bunkeranlage Teichanlage und Park zu beobachten.

Nikola Hamacher: Dame mit dem Hermelin

Nikola Hamacher wurde 1959 in Köln geboren und studierte an der Kunstakademie Münster unter Rainer Ruthenbeck. Sie lebt und arbeitet in Münster.

Ihre Arbeit Dame mit Hermelin entstand im Jahr 2005, wo sie unter dem Titel „Nachtgalerie" berühmte Gemälde in die Fenster Münsters projizierte.

Nikola Hamacher gelingt es ohne zu große Eingriffe in die Außenwelt poetische und wirkungsvolle Arbeiten zu schaffen, die trotz ihrer Vergänglichkeit Bestand haben. Das Foto von der „Dame mit dem Hermelin" wurde nach der Nachtgalerieaktion als kleiner Leuchtkasten verarbeitet.

Sylvia Forstmann: Firmenarchiv

Sylvia Forstmann lebt und arbeitet in Münster, ihrer Wahlheimat.

Diese Arbeit entwickelte sie über einen langen Zeitraum, da sie dazu das gesamte Archivmaterial des Hauses Jäckering künstlerisch sichtete und aufarbeitete. Wer Sylvia Forstmanns Arbeiten kennt, weiß, dass sie versucht Geschichten eine Form zu geben.

Es entstand eine kreisrunde Installation, in der Archivbücher in verschiedenen Höhen von der Decke hängen und vom Betrachter angesehen werden können. Ergänzt wird die Arbeit durch Videoprojektionen, wo man die Köpfe der Führungspersonen, rotierend und alternd anschauen kann.

Außerdem hat man Gelegenheit Interviews von Mitarbeitern anzuhören, die von ihrer Zeit und den Erinnerungen im Hause Jäckering berichten.

Susanne von Bülow: Achselrasur II

Susanne von Bülow wurde 1969 in Balingen geboren.

In Münster studierte sie bei Jochen Seelmann, Ingrid Roschek, Gunther Keulen und Mechthild Frisch. Außerdem arbeitete sie als Frauenbeauftragte an der Kunstakademie Münster. Im Jahr 2000 war sie in Japan und Korea tätig.

Susanne von Bülows großformatiger Druck, die Achselrasur II, wirkt fast freskenhaft. Wahrscheinlich durch die Farbigkeit des Druckes assoziiert man als Betrachter ein Fresko.

Die Frau auf dem Bild ist präzise gezeichnet und völlig in sich selbst versunken. Es scheint die Zeit sei aufgehoben und sie schwebt abwesend und autark in einem eigenen Raum.

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Katharina Hinsberg: Diaspern 1

Katharina Hinsberg wurde 1967 in Karlsruhe geboren und arbeitet neben ihrer künstlerischen Tätigkeit als Professorin an der Hochschule der Künste Saar. 

Im Blickfeld des Betrachters tauchen bei Katharina Hinsberg's Arbeiten Linien auf. Linien in mannigfaltigen Variationen. Die Welt besteht plötzlich aus Strichen, die sich verdoppeln und tilgen. Grenzen, Schnitte, die An- und Abwesenheiten andeuten oder markieren.

Bei der Arbeit Diaspern 1 hat die Künstlerin Linien mit Graphit auf Papier gezeichnet. Diese Linien wurden dann durch Schnitte wieder entfernt und bilden auf dem Blatt Papier, welches hinter dem ersten Blatte liegt, wieder eine Linie, ein Feld, eine Grenze.

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Marta Guisande: o.T. (Äste) 2001

Marta Guisandes Arbeit o.T. (Äste) ist 8o cm x 53 cm in den Abmaßen. Die Künstlerin hat mit Kaseinfarbe auf Leinwand gearbeitet. 

Auf weißem Grund hebt sich ein zartes, wenig aggressives grau ab. Die Oberfläche ist wie bei den meisten ihrer Arbeiten matt, so dass man nicht an der Oberfläche haften bleibt, sondern das Gefühl hat, in das Bild eindringen zu können. Ihre Gemälde vermitteln Natürlichkeit und Spontanität, zugleich aber auch Präzision und Bedacht.

Die Arbeit lebt jedoch auch von sich scheinbar widersprechenden Kontrasten, biomorphe und geometrische Formen, hell und dunkel, offen und geschlossen, schnell und langsam ... . 

Ulrich Rückriem: o.T. (Kubus), 1991

Diese Arbeit von Ulrich Rückriem besteht aus österreichischem Granit und aus vier Teilen, die zunächst gespalten, dann wieder zu einer Blockform mit einer Standfuge zusammengefügt worden sind.

Granit ist ein äußerst beständiges und stabiles Tiefengestein. Seine Farbigkeit changiert von hellem grau bis hin zu leichtem magmatischem rot. Die Oberflächenstruktur ist körnig und richtungslos.

Bei den Skulpturen von Ulrich Rückriem hat man die Vermutung, dass er den Stein mit größter Sorgfalt auswählt, um dann seine Besonderheiten und Charakteristik in großer Präzision minimalistisch herauszuarbeiten. Faszinierend ist dabei, dass der Stein sowohl Skulptur ist, als auch Stein bleibt, in seiner archaischen Kraft.

Kiki Smith: Hello Hello

Kiki Smith Arbeit Hello Hello ist ein 31 cm x 42 cm großer Kartoffeldruck auf japanischen Tambopapier.

1954 wurde sie in Nürnberg geboren und ist die Tochter von dem anerkannten Bildhauer Tony Smith. Ihre erste Kunsterfahrung machte Kiki Smith, als sie ihrem Vater dabei helfen durfte geometrische Modelle aus Pappe herzustellen. Da der Körper des Menschen ein besonderes Interesse in der Arbeit von Kiki Smith erfährt, absolvierte sie 1985 eine Ausbildung als Rettungssanitäterin, um bessere Kenntnisse über die Anatomie des Menschens zu gewinnen. 2005 erhielt sie einen Preis im Printmaking von der Rhode Island School of Design.

Keiko Sadakane: Devolution – 12 (to 15)

In ihrer Arbeit Devolution – 12 (to 15) von 2003 hat Keiko Sadakane mit Bleistift auf Pergamentpapier gearbeitet. Die Sensibilität des Materials wird beim Betrachten schnell sichtbar. Durch die Transparenz des Pergamentpapiers springen die geometrisch sichtbaren Formen hin und her zwischen Präsens und Abwesenheit.

Es scheint fast, als schmiegen sich Licht und Dunkel aneinander.

Keiko Sadakane wurde in Tokyo geboren und arbeitet bzw. lebt heute in Düsseldorf. 

Richard Long: River Avon mud and Cornish China clay on driftwood

Richard Longs Landart Objekte entstehen häufig auf seinen Wanderungen in den verschiedenen Regionen der Welt. Seine Objekte und Traces werden von ihm fotografisch dokumentiert und dann meistens dem natürlichen Zerfall überlassen.

Als 18 jähriger Student entstand Richard Longs erste Arbeit auf einem Winterspaziergang in Bristol. Er formte einen Schneeball und rollte ihn so lange durch den Schnee, bis die Kugel zu groß war, um sie zu bewegen. Dann fotografierte er die Spur, welche der Schneeball zurückgelassen hatte. 

Man hat das Gefühl er behandelt die Leinwand, als sei sie eine Leinwand.

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Nathalie Dampmann: o.T. (Hamm 2011)

Nathalie Dampmann hat Bildende Kunst mit dem Schwerpunkt Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst zu Leipzig studiert und 2008 mit ihrem Meisterstudium abgeschlossen.

In dieser Serie o. T. (Hamm 2011) fotografiert sie Arbeitsplätze und Werkstätten, die durch die Mitarbeiter der jeweiligen Firma gestaltet wurden. Die Gestaltung wird durch das Anheften von Kalendern, also durch „pin up" deutlich. Und gerade diese Pin Ups sind dann auch bildgegenwärtig. Bei Ihrer Arbeit geht Nathalie Dampmann vom Vorgefundenen aus und manipuliert und verändert nichts an den jeweiligen Orten.

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Jan Wawrzyniak: o. T. 1

Jan Wawrzyniak ist 1971 geboren und lebt in Berlin. Bei seiner Arbeit „o.T. 1“ hat er mit Kohle auf grundiertem Baumwollgewebe gezeichnet. 

Jan Wawrzyniak's Werke zeigen einen experimentellen Umgang mit Linien. Dadurch das seine Bilder zugleich Fläche als auch Raum für den Betrachter sein können, springt das Bild geradezu vor den Augen hin und her.
Die Bildwirkung, die von seinen Arbeiten ausgeht, löst im Betrachter eine angenehme Desorientierung, ja vielleicht sogar eine Schwerlosigkeit aus.

Simona Pries: Stille Nacht

Simona Pries wurde 1969 in Burgdorf geboren. Von 1990 bis 1998 studierte sie Architektur bei Prof. Manfred Schomers und Bildhauerei bei Prof. Makoto Fujiwar. Derzeit lebt und arbeitet sie in Hannover. Ihre Arbeit: Stille Nacht ist ein Wandobjekt aus Beton und Glas. 

Simona Pries Arbeit lebt von Spannungsverhältnissen: Das Schwere und das Leichte; das feine Zarte und brutale Raue; das angenehm Matte und das eintönige Grau.

Massiver Beton hängt an der Wand und zerbrechliches Glas das sich darauf anlehnt: als Betrachter nimmt man zugleich eine Leichtigkeit und eine große Präzision wahr. 

Die Arbeit „Ohne Titel" von Simona Pries scheint die DInge ins Gleichgewicht zu rücken.

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Günther Uecker: Graphein ABC

Günther Ueckers Graphein ABC beschäftigt sich mit der Entwicklung von Schrift im weitesten Sinne. Graphein kommt aus dem Griechischen und bedeutet neben „Schreiben" auch „Zeichnen" und „Malen".

Günther Uecker verzichtet auch bei dieser Arbeit nicht auf Nägel. Was man sieht, wenn man die 70 cm x 49 cm großen weißen Büttenpapiere betrachtet, sind eine Vielzahl von Abdrücken des Kopfes von Nägeln. Durch die Menge der kleinen skulpturalen Erhebungen verschmilzt der einzelne Abdruck und taucht ein in die Masse und wird vielmehr zu einem Gelände mit Strudeln und anderen Formationen. Das Licht tut sein Übriges und modelliert je nach Einfall und Intensität das Büttenpapier zu Landschaften.

Er sagte dazu: „Die Quantität des Feldes wird zur optischen Qualität, wo das Einzelne im Gesamten aufgeht und sich verliert in der gleichgültigen, unhierarchischen Folge desselben und doch nicht desselben.“

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Norvin Leineweber: Falzung 8 | 11 | 9

Norvin Leineweber ist 1966 in Rees geboren. Nach seinem Studium an der Kunstakademie Düsseldorf, verbrachte er ein Studienjahr in Prag bei Stanislav Kolibal. Danach war er Meisterschüler bei Günther Uecker. Seit 2002 arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Plastik an der RWTH Aachen. 

Die Arbeit Falzung besteht aus stoffüberzogenem Holz. Es sind drei Stücke mit mit den Abmaßen 48 cm x 64 cm x 8 cm.

Seine Arbeiten zeigen eine große Klarheit und muten geometrisch an. Als Betrachter kommt man in Versuchung seine Reliefs  in Bezug zum Raum zu sehen und damit beginnt ein Spiel von Reflexionen und Relationen.

John Cage: Organ²/ASLSP

Ursprünglich hatte John Cage das Musikstück „As SLow aS Possible" 1985 für das Piano komponiert, schrieb es 1987 aber für den Organisten Gerd Zacher als Orgelstück um. 1989 wurde es innerhalb von 29 Minuten in Metz uraufgeführt.

1997 auf einem einem Orgelsymposium in Trossingen entstand dann Idee, die achtseitige Partitur hochzurechnen auf 639 Jahre. Diese Zahl ergab sich, indem man das Jahr 2000, geplanter Start des Projektes, und die Jahreszahl 1361 subtrahierte. 1361 wurde in Halberstadt die älteste aus der Neuzeit dokumentierte Domorgel gebaut. Das ASLSP-Projekt startete dann aber erst am 1.September 2001.

Für Tausend Euro kann man sich eine Jahreszahl kaufen und sich mit einer Gedenktafel und einem Text in der Kirche verewigen.

Zum 500. Geburtstag von Michael Andreae Jäckering im Jahre 2450 wird somit die Orgel alleine für ihn spielen.

Evelyn Hofer: Calder’s Strainer and Insect

Am 21. Januar 1922 wurde Evelyn Hofer in Marbug geboren und starb im Alter von 87 in Mexiko. Ihre Fotografien, die sie sorgfältig komponierte und die von einer zeitlosen Aura sind, wurden mit einer schweren Fünf- Zoll- Kamera aufgenommen.


Sie fotografierte Menschen, sowie Stillleben und Architekturfotografie. In allen Bildern, die sie aufnahm, drängt sich das Gefühl auf, dass sie in der Lage war, ihnen die Zeitlichkeit und Zerstreuungen zu nehmen. Es scheint als würde sie mit außerordentlicher Geduld die Erfassung des Themas in einem Abbild präzisieren. Dabei sind Strukturen, Details, Texturen und auch der feine Unterschied des Lichts ein Thema.

Calder’s Strainer and Insect ist ein Silber-Gelatine Druck von 1976 mit den Maßen 39,5 cm x 31 cm und zeigt ihre Verehrung des Malers Alexander Calder.

Ruppe Koselleck: Long Beach Mississippi 2010 – Take Over

In der Arbeit Long Beach Mississippi 2010- Take Over erstellt Ruppe Koselleck mit Öl, welches er am Strand vom Mississippi zur Zeit der Ölkatastrophe gefunden hat, Ölgemälde.

Seit mehreren Jahren ist der Künstler nun schon in dieser Thematik unterwegs und arbeitet seither an der feindlichen Übernahme des Ölkonzerns BP | Aral. Aus jedem gefundenen Ölklumpen malt er ein Bild und verkauft es für den aktuellen BP Aktien Preis. Dabei geht die Hälfte in das eigene Portemonnaie und mit der anderen Hälfte werden BP Aktien gekauft.

Er ist an den Küsten der Welt unterwegs, um so sein Ziel möglichst schnell zu erreichen.

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Franz Gertzsch: Pestwurz

Franz Gertzsch ist ein ein Schweizer Maler, der 1930 geboren wurde. Er erhielt Unterricht in der Malschule Max von Mühlenen. Außerdem zählt Hans Schwarzbach zu seinen Lehrern.

Die Arbeit Pestwurz, entstand in der Zeit zwischen 1986 und 1994. In dieser Phase arbeitete Franz Gertzsch ausschließlich mit Holzschnitten. Bei diesen oft großen Arbeiten wählt er die Farben ganz genau aus und überlässt nichts dem Zufall.
Die Farben haben für ihn eine besondere Bedeutung und so arbeitet er nur mit reinen Pigmentfarben, die er aus Kyoto oder dem Allgäu bezieht. Diese Pigmentfarben werden mit einem transparenten Ölbindemittel angemischt. Nach mehreren Farbproben auf kleinerem Format, werden dann letztlich die Originale auf Japanpapier gedruckt.

Er selbst sagt: „Die Absicht bei den Holzschnitten war von Anfang an, mir einen alten Traum zu erfüllen - den von einem monochrom realistischen Bild."

Julia Lohmann: Ruminant Bloom

Julia Lohmanns Ruminant Blooms  sind Lampen, die ein sehr besonderes, weiches und warmes Licht in den Raum ausstrahlen. Die Oberfläche und Haptik macht den Betrachter neugierig aus welchem Material diese blumenähnlichen Lampen geschaffen sein mögen.

Ruminant Blooms sind  aus konservierten Kuh und Schafsmägen hergestellt. Was zunächst so anziehend erscheint, birgt nun plötzlich eine Ambivalenz in sich. Julia Lohmann mag es mit Abfällen, Übriggebliebenen und Fundstücken zu arbeiten.  Dabei ist es ihr sehr wichtig Objekte zu designen, die nützlich sind.

Satyendra Pakhalé: B.M. Horse Chair

Satyendra Pakhalé ist 1967 in Indien geboren. In Bombay absolvierte er sein Studium in Engineering und erwarb seinen Master in Design. Bald nach seinem Studium für Produkt-Design in der Schweiz eröffnete er sein eigenes Büro in Amsterdam.

Pakhalé hat beim B.M. Horse Chair traditionelle und moderne Verfahren miteinander verknüpft. Nachdem er lange Zeit versuchte diesen Stuhl in Indien zu produzieren, führte er die Herstellung letztlich in Amsterdam fort. Zunächst mit der Unterstützung eines traditionellen Stammes aus Indien, welcher lange Tradition im Handwerk  und mit dem Wachsausschmelzverfahren hatte. Die wirkliche Herausforderung bestand dann darin, den Stuhl aus einem Guss zu fertigen und dabei die Oberflächenstruktur zu erhalten. Acht Jahre dauerten seine Skizzen und Versuche an bis er endlich  den B.M. Horse Chair 2007 auf der Art Miami / Basel vorstellte.

Werner Schürmann: Windbaum

Werner Schürmann entwarf den Windbaum 1998. Unter seiner Aufsicht wurde die Skulptur in den Werkstätten der Altenburger Maschinen Jäckering GmbH aus gebranntem Stahl geschaffen.

Werner Schürmann wurde am 17. November 1929 in Dresden als Sohn von Friedrich Wilhelm und Gertrud Schürmann geboren. 1947 begann er mit der Bildhauerei an der Kunstschule Darmstadt unter dem Lehrer Fritz Schwarzkopf. Er studierte als Meisterschüler unter anderem bei Toni Stadler in München. Einige Jahre arbeitete er in Irland und unterrichtete dort in Dublin am College of Art Metallverarbeitung. 1959 gab er seine Lehrtätigkeit dort auf und führte Aufträge von Gussarbeiten für Architekten in Deutschland und Irland aus. 1968 begann er eine Gesangsausbildung bei Dietger Jacob (später Professor am Konservatorium Köln) in Hamburg. Von 1982 bis 1996 war er eindrucksvoller Bariton im Osnabrücker Musiktheater, wo er unterschiedlichste Rollen einprägsam bekleidete. Außerdem war er ein gefragter Gesangslehrer.

Heinz Gappmayr: Jetzt 1992/ 2000


In Heinz Gappmayrs Kunst steht seit den späten 50er Jahren die Sprache im Mittelpunkt – er macht sie zum Gegenstand seiner Kunst.

Seine Arbeiten zielen darauf ab, den Sinn des Wortes, also die Bedeutung des Wortes auch gleichzeitig visuell zu verbildlichen. Dabei lässt er die Sprachwissenschaft, Philosophie und Bildtheorie nicht außer Augen, sondern vielmehr vertieft sich so sehr in diese Thematik, dass er als wichtiger Ansprechpartner für junge Künstler fungierte und durch seine Vorträge die Verknüpfung von Wissenschaft und Kunstvermittlung weiterbrachte.

Er ging davon aus dass Denkbilder entstehen, die das Gedachte zugleich bildlich und ideell entstehen lassen.

Die  Arbeit „Jetzt" zeigt dieses deutlich.

Alfredo Álvarez Plágaro: Identical Paintings 2007

Alfredo Alvarez Plagaros Identical Paintings zeigen, dass die Wiederholung eine große Dringlichkeit für ihn hat.
Die Arbeit besteht aus 50 Bildern mit den Ausmaßen 277 cm x 7 cm x 5 cm. 

Er selbst sagt: „Das Wichtigste daran ist nicht, was es ist, sondern dass es mehrmals das ist, was es ist.“

Die Wiederholung gibt seiner Arbeit einen Rahmen, die ihn zwar einengt, doch unter dessen Paradigma er sich freier fühlt. Er wiederholt dabei bewusst ein gefühltes Scheitern, genauso wie vielversprechendes.

Wenn er an den Identical Paintings | Cuadros Igual arbeitet geschieht das immer parallel, d.h. zeitgleich.Es ist nicht so, dass er ein Bild beendet und dann kopiert. Die Arbeiten Plágaros lieben den Zufall, sie sind im hohem Maße experimentierfreudig und hängen niemals falsch.

Es ergeben sich somit immer wieder neue Raumbilder und Kombinationsmöglichkeiten.

© VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Elisabeth Vary : o.T. 1991/ 1

Elisabeth Vary baut aus Kartons ihre dreidimensionalen Malgründe.

Diese Arbeit besteht aus drei Wandkörpern. 

Die Farbträger werden von innen heraus durch 5mm starke Platten stabilisiert und außen dann mit einer Spachtelmasse grundiert. Die ungleichen Objekte sind meistens stereometrischer Natur. Der Farbauftrag ist genauso wie dieTöne vielfältig, mal dick und flüssig, mal rauh und trocken, mal transparent und deckend.

Ihre Arbeiten sind meistens mehrteilig, wobei keine Arbeit einer Hierarchie untersteht, sie bilden vielmehr ein Beziehungsgeflecht untereinander, wo jede Arbeit ihren festen Patz hat.

Wenn man sich als Betrachter im Raum bewegt, ergeben sich immer wieder neue Bilder, die herausfordern und erfreuen.

Ana Mendieta: Untitled

Ana Mendietas „Untitled" ist eine 33 x 24,1 cm große Zeichnung / Wash on Paper.

Diese zarte Zeichnung fiel Michael Andreae-Jäckering auf der Rückreise von einem Kongress nur durch einen glücklichen Zufall auf. Er hatte durch eine Flugzeugverspätung einen Tag gewonnen, und die Zeit genutzt um einige Galerien in New York zu besuchen.

Als er nun in den relativ kleinformatigen Arbeiten / Zeichnungen versank und die Galeristin ihm erzählte, dass die Bilder von  Ana Mendieta seien, war er zunächst noch gar nicht so interessiert, obwohl ihm die Bilder sehr gut gefielen. Seine Begeisterung war jedoch geweckt, als er feststellte, dass Ana Mendieta acht Monate lang die Ehefrau von Carl Andre war. Einige von Carl Andres Arbeiten waren schon lange Teil seiner Sammlung. Er entschied sich nicht sofort für das Bild, sondern erst als ihm auffiel, dass er immer wieder an die Arbeit denken musste und nicht von ihr loskam. 

Ana Mendieta war eine bedeutende Künstlerin, die 1948 in Kuba / Havanna geboren wurde und im September 1985 auf tragische Weise ums Leben kam. Bis heute ist der Sturz  aus der 34. Etage ungeklärt.  Sie arbeitete im Bereich Skulptur, Malerei, Video- und Performancekunst. 

Angela Glajcar: Terforation VI/W, 2008

Angela Glajcars Arbeit Terforation VI/W von 2008 ist 70 x 40 x 20 cm groß und besteht aus Papier und Metallträgern.

Ihre Objekte sind aus hochwertigen Papier geschaffen. Trotz ihrer Leichtigkeit haben sie eine erstaunliche Massivität inne. Die gerissenen, scharfen Kanten des Papieres lassen die Arbeit durch Licht und Schatten in ungerichteter Art und Weise zu einem Objekt werden, das lebendig wird und auf Landschaften verweist, genauso wie auf  Gletscher, Höhlen oder Felsformationen.

Es scheint wie ein Spiel aus Schwerelosigkeit und Anziehung. Aber auch Temperament und Ruhe sind in ihrer Ambivalenz zu finden.

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Stephan Andreae & Res Ingold: Vogelflughafen

Der von Stephan Andreae und Res Ingold entworfene Vogelflughafen befindet sich im Vorsterhauser Weg in Hamm. Er liegt dort ganz herrlich da zwischen Bürogebäuden, einem alten Bunker, einem Hochsitz von Nicolas Kerksieck, einem See in einer zauberhaften Parklandschaft und dem neunten Schornstein von Jan Svenungsson.

Heute sind urbane Biotope beliebter denn je, um der Artenvielfalt auch in dicht besiedelten Gegenden einen geschützten Lebensraum zu bieten. So erfordern diese urbanen Biotope besondere Lösungen, Verkehrssysteme wenn man so will.  Der Ornithoport in Hamm ist einer der modernsten Vogelflughäfen in Europa und bietet anspruchsvollen Flugtieren eine sichere Logistik. Die Ingold Airline hat eine animal Escort entwickelt und bietet somit einen weltweit einzigartigen Service. 

Mittlerweile gibt es einen Korrespondenz-Flughafen auf dem Dach der Bundeskunsthalle in Bonn.

Hubert Kiecol: H.M.

Zwei wunderschöne Säulen aus Beton stehen im Raum. Eine einzelne Säule ist 170 cm hoch, hat einen Durchmesser von 23 cm und wiegt dabei 250 Kilogramm. Trotz ihrer Materialität sind die Pfeiler   von einer erfrischenden Leichtigkeit und Poesie.

Kiecol selbst sagt der Künstler solle hinter seinem Werk zurücktreten um Pathetisches von vornherein zu neutralisieren. Darum erfindet er keine Formen, sondern entlehnt sie vielmehr seiner Umgebung.

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Gotthardt Graubner: o. T. 2002

1955 beginnt Gotthard Graubner sich von den bis dahin verwendeten geometrischen Farbformen zu lösen. Er ist der Schöpfer des Begriffes der Farbraumkörper. Es geht dabei um ein Befreien der Farbe, den Eigenwert und das Eigenleben der Farbe und des Papiers zu respektieren. Diese Arbeit ohne Titel entstand auf einem handgeschöpften nepalesischem Papier. Durch die Beschaffenheit dieses Papiers gewinnt die Farbe noch mehr Leichtigkeit und Transparenz und fordert vom Betrachter Konzentration und eine sensible Offenheit.  Es geht bei seinen Bildern um Farbe, Licht und Bewegung. 

Bewegung – sich ausbreiten, fließen, atmen, aufgehalten werden, sich stauen, zurückdrängen, wieder fließen, Ruhe finden“, formuliert Graubner seine Arbeitsweise.

Susan Hartnett: Calamagrostis canadensis, blue joint grass

Susan Hartnett zeichnet Pflanzen mit Kohle auf Papier.

Präziser formuliert, zeichnet sie Gras. Wenn man Susan Harnett fragt, warum sie Gras zeichnet, erwidert sie, aus Neugier und weil Sie die Lust dazu verspürt. Außerdem hilft es ihr sich zu konzentrieren.

Lange hat sie chinesische und japanische Kalligraphie untersucht und in ihren langen Studien erlernt Ihre Zeichungen in Kohle umzusetzen. Sie arbeitet ohne Radiergummi und sagt, dass sie die Kohle biegsam macht. Jede Grass Zeichnung hat ihren eigenen Stil und ihren eigenen Charakter.

Jan Svenungsson: The Ninth Chimney

In Jan Svenungssons Werkgruppe Chimneys werden Schornsteine, wenn möglich von einem festen Team und unter Beteiligung des Künstlers gemauert, um jedem Bauwerk einen einheitlichen Duktus zu verleihen.

Im Vorsterhauser Weg ist der neunte Schornstein mit 7150 Klinkersteinen in 213 Stunden von vier Maurern aufgeschichtet worden. Dabei mussten ungefähr 3500 Steine mit der Steinsäge zugeschnitten werden. Jeder neue Schornstein wird einen Meter höher als die vorherige Arbeit. So ist das erste Exemplar, der 1992 vor dem Museet Moderna Stockholm erbaut wurde zehn Meter lang gewesen. Der Urschornstein ist leider schon abgerissen worden.

Es sind noch insgesamt sieben der neun Schornsteine erhalten.

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Marta Guisande: o.T. 2008-2

„Die scheinbar monochromen Bilder sind meist aus mehreren Farbschichten übereinander aufgebaut. Marta Guisandes Vorgehen ist intuitiv und entwickelt sich sukzessive. Manchmal Arbeit sie monatelang an den Malereien. Die Struktur des Bildes entsteht durch wiederholtes Auftragen und reduzieren von Farbschichten. Dabei verstreicht sie zarte Schleier farbiger Emulsionen aus Acryl-, Kasein-, und Dispersionsfarbe über die nur leicht grundierten Leinwände. Durch das ständige auftragen und abtragen der verschiedenen Schichten erzeugt Martha Guisande einen matte Oberfläche, wo die Pigmente noch atmen können und aus sich heraus leuchten.“

(Quelle: artnet)

Nina Brauhauser: Whites

Nina Brauhauser schreibt zu Ihrer Fotoserie "Whites":


In meiner Arbeit "Whites" entsteht durch die Neuordnung der Wirklichkeit entnommener Raumfragmente und Strukturen ein Raumgefüge, 
welches als Umfeld für eine gegenstandslose metaphysische Ebene fungiert. Diese Ebene, in Form einer weißen Fläche dargestellt, ist 
Kern der Auseinandersetzung. Sie dient als Deutungsebene und bezieht den Betrachter mit ein. In ihr verdichten sich sein Erfahrungsraum, 
der das Bewusste und das Unbewusste sowie das Rationale und das Emotionale einschließt, sowie sein Gedankenraum. Die weiße immaterielle Fläche ist von einer raumdefinierenden Wirklichkeit umgeben mit der sie gleichsam in Beziehung tritt sowie in dieser ihre Auflösung erfährt.

Die Arbeit "Whites" fordert eine kontemplative Haltung.

(Quelle: Webseite Galerie Schütte)

Carl Andre: Zinc-Lead Sonnet

14 rechteckige Plattenelemente aus Zink und Blei liegen hintereinander in einer Reihe und bilden eine lang gezogene viereckige Fläche. Die Metalle wechseln sich in der Reihenfolge ab. Die Werkgruppe der Sonnets sind Klanggedichte. Sie haben die Anzahl der Zeilen und den antithetischen Aufbau mit der Gedichtform gemeinsam. Die zwei unterschiedlichen Metalle einer Komposition klingen als Farben im Raum.

"Ich mag keine Kunstwerke, die schrecklich auffällig sind. Ich mag Kunstwerke, die unsichtbar sind, wenn man nicht danach sucht. Ich mag das man mitten auf der Arbeit stehen kann. "


"Man kann also mitten auf einer Skulptur stehen und nichts von ihr sehen, was absolut in Ordnung ist. Die meisten Leute sehen sie nicht, wenn sie in einen Raum kommen und sich umsehen. Sie können auf einer Arbeit stehen und sie nicht sehen, was völlig in Ordnung ist. Es gibt eine Reihe von Materialeigenschaften, die sich vermitteln, wenn man auf Material geht: Dinge, wie z.B. der Klang einer Arbeit und das Gefühl der Reibung, wie man vielleicht sagen könnte.

(…) In der Mitte eines Quadrats aus Blei zu stehen ist ein völlig anderes Gefühl, als in der Mitte eines Quadrates auf Magnesium zu stehen."

(Quelle Interview Phylliy Tuchman)

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Katharina Hinsberg: Lichtes Maß III

„Lichtes Maß III, Bürogebäude der Firma Jäckering in Hamm. Das Foyer im Bürogebäude der Firma Jäckering teilt sich in zwei Etagen, die über eine geschwungene Treppe miteinander verbunden sind. Im Zentrum des Foyers öffnet sich ein schmaler Raum in der gesamten Höhe des Gebäudes. Dieser Ort ist eigentlich leer, funktionslos, und dennoch das Zentrum des Gebäudes, das Auge aller Bewegungen von einem Trakt in denAnderen, zwischen den Etagen und von Innen nach Außen.
Ein 'Lichtes Maß' bemisst im Allgemeinen einen Zwischenraum, etwa den Abstand von zwei voneinander entfernten Bauteilen (Boden und Decke oder Sims und Sturz).

Dieses Maß gibt eine Öffnung an, von außen, in ihren Begrenzungen. Raum wird durch ein Außen bedingt, aber bereits im Entwurf,als Angabe von lichten (marginalen) Maßen; Höhen und Breiten, wird Raum bestimmt bestimmter Raum – Unabhängig davon, ob dieser Plan je verwirklicht wird oder nicht. Vielmehr kommuniziert sich dieses Maß (vielleicht zeichenhaft) geradezu unabhängig vom entsprechenden Raum: Maß und Raum verweisen aufeinander, haben ihre Bestimmung aber jeweils Eins ohne den anderen.“


(Katharina Hinsberg, November/Dezember 2006)

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Mary Heilmann: Red Wave


„Painting a line across canvas with a brush is similar to the motion of a wave breaking.“


Zwar hat M. Heilmann sich nie einem formalen Purismus unterworfen, dennoch dienen ihr die „wechselförmige Wirkung der Horizontale und der Vertikale“ (Piet Mondrian") geometrische Formen als narrative Elemente einer Komposition. Alltägliches aus Film und Musik dienen ihr als Inspirationsquelle und sie interpretiert malerisch Geschichten und Stimmungen, indem sie von der Sehnsucht des Menschen weiß. Sie öffnet dem Betrachter ihr Herz und teilt sich gerne mit.

„I have always loved the truth of geometry, euclidean, topological and geometry of time.“

(Quelle: aus Mary Heilmann: Farbe und Lust / Christa Häusler)

Eduardo Chillida Gravitaciones

“Is not the persistence of instability the only stable thing?“

„Ich habe mein Leben lang Collagen gemacht und hatte immer Probleme, mit dem Klebstoff. Irgendwann habe ich mich gefragt, warum ich eigentlich mit Klebstoff arbeite, wenn ich damit nicht zurechtkomme. Daraufhin habe ich den Klebstoff einfach weggelassen und stattdessen mit Freiräumen gearbeitet. Ich habe das Papier zurechtgeschnitten und übereinandergelegt, es mit Fäden aufgehängt und es dann ‘Gravitaciones‘ genannt", beschrieb Chillida die Arbeit mit der Schwerkraft.

Gravitaciones ist eine von Chilida entwickelte Reliefstruktur in Papier. Für diese Arbeiten verwendet er handgeschöpftes Papier, welches er in mehreren Blätter hintereinandergelegt und mit einem Faden zusammenheftet. Das vordere Blatt ist beschnitten in rechteckigen sowie auch organischen Strukturen. Die Ausschnitte wirken wie Fenster zum hinteren leeren Blatt. 

(Quelle: Deutscher Scherenschnittverein)

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